Selbsthilfegruppen nach der Therapie waren für mich tabu. Ich habe mehrere Therapien hinter mir, stationär wie ambulant. Schon früh empfahlen mir Fachkräfte, mich nach der Entlassung einer Selbsthilfegruppe anzuschließen. Damals war das für mich keine Option. Ich hatte andere Pläne, war beruflich unterwegs, lebte zeitweise im Ausland und war überzeugt, das Ganze auf eigene Weise regeln zu können.
Natürlich wollte ich abstinent bleiben, aber bitte ohne Gruppen, Sitzkreise oder Verbindlichkeit. Rückblickend war das naiv. Ich habe viele Chancen nicht genutzt, weil ich geglaubt habe, es allein schaffen zu müssen.
Erst nach weiteren Jahren, Rückschritten und einem realistischeren Blick auf meine Situation habe ich es doch versucht. Ich ging in eine Selbsthilfegruppe. Ohne große Erwartungen, aber mit der Einsicht, dass ich so nicht weitermachen konnte.
Was ich dort erlebt habe, war kein Ersatz für eine Therapie. Aber es war etwas Eigenes: eine wiederkehrende Struktur, eine offene Atmosphäre, ein Rahmen, der weder Druck erzeugt noch Floskeln braucht. Menschen, die keine Theorie vortragen, sondern schlicht aus Erfahrung sprechen und die regelmäßig wiederkommen. Nicht, weil sie müssen, sondern weil sie verstanden haben, dass es hilft.
Selbsthilfegruppen nach der Therapie sind für mich heute mehr als eine Ergänzung. Sie sind eine Konstante, die mich stabilisiert. Eine wöchentliche Erinnerung daran, wie diese Krankheit funktioniert. Und eine Form von Unterstützung, die man nicht planen muss, weil sie einfach da ist.
Ich kenne viele, die lange auf Therapieplätze warten. In dieser Zeit bietet eine Gruppe Halt, Struktur und das Gefühl, nicht allein zu sein. Für mich persönlich sind diese Treffen heute bedeutsamer als jede noch so gute Einzelmaßnahme.